Elemente der Leistungskontrolle
bei Gruppenarbeiten

Ziel der Lernsituation mit integrierten Gruppenarbeitsphasen ist die Förderung einer gemeinsamen Handlungskompetenz der Gruppe, damit aber auch die Förderung der individuellen Handlungskompetenz jedes Gruppenmitglieds, aufgaben- und teamorientierte Gruppenarbeiten mitzugestalten.Zur Lernkontrolle sollten daher sowohl individuelle als auch von der Gruppe gemeinsam erbrachte Leistungen berücksichtigt werden:

Die in der Lernsituation und den Gruppenprozessen erbrachten Leistungen lassen  sich drei Bereichen zuordnen:

  • Die Gruppenarbeitsprodukte ( schriftliche Ausarbeitungen / Präsentationen ) spiegeln den gemeinsamen Arbeitsprozess und das –ergebnis wider und werden daher für alle Gruppenmitglieder gleich gewertet.
     
  • Das individuelle Lernprodukt (individueller Bericht oder z. B. Kurzklausur,  s. Anlage 4.1 ) ergänzt das gemeinsame Ergebnis und zeigt das Lernergebnis   der einzelnen Schülerinnen und Schüler als eigenständige Leistung.
     
  • Das individuelle Lernhandeln jedes Gruppenmitgliedes kann über Beobachtungen und Nachfragen der Lehrkraft sowie über Methoden der Selbsteinschätzung bewertet werden.

Ermittlung des individuellen Lernleistungsanteils in der Lernsituation für eine Gruppe mit fünf Schülerinnen und Schüler, die je zwei gemeinsame Gruppenarbeiten durchführen

Beispielrechnung

Handlungs-
u. Lernergebnisse

Erreichte Punktzahl
(max. 100)

Bewertungs-
anteil
(10% = 0,1)

erreichte Punkte
für die Schülerin/den Schüler

S 1

S 2

S 3

1. Gruppenarbeitsprodukt
(Kurzübersicht)

80

0,2

16

16

16

2. Gruppenarbeitsprodukt
(Förderangebote)

70

0,3

21

21

21

Individuelles Lernprodukt
(Kurzklausur)

 S 1: 100 Pkt.
 S 2:  40 Pkt.
 S 3:  70 Pkt.
 S 4:

0,3

30

12

21

Individuelles Lernhandeln
(Beobachtungen)

 S 1:   90 Pkt.
 S 2:   50 Pkt.
 S 3:   80 Pkt.
 S 4:

0,2

18

10

16

Summe der Punkte

 

 

85

59

74

Note

 

 

gut

ausreichend

befriedigend

Bewertungsskala:

Punkte:

100 - 93

92 - 82

81 - 68

67 - 50

49 - 25

24 - 0

Note:

1

2

3

4

5

6

Im fiktiven Beispiel werden die Leistungen von drei Schülern der gleichen Arbeitsgruppe zur oben dargestellten Lernsituation „berechnet“.
Die Gruppenarbeit sind mit gut , d. h. 80 Pkt. ( Kurzübersicht zu Sprachstörungen einschließlich Präsentation) und mit befriedigend, d. h. 70 Pkt. (Ausarbeitung und Präsentation von Förderangeboten) bewertet worden, wobei die handlungsorientiertere 2. Gruppenarbeit höher (hier mit dem Faktor 0,3) gewertet wird.
Alle drei Schüler haben nach der Gruppenbewertung die gleiche Punktzahl. Die unterschiedliche Endnote ergibt sich aus der Bewertung der individuellen Leistungsanteile.
Die Schülerin 1 hat eine perfekte Kurzklausur geschrieben und wird auch in der Beobachtung ihres Lernverhaltens (90 Pkt.) sehr hoch bewertet.
Die Schülerin 2 hat eine schwache Klausur  geschrieben und schneidet auch in der Beobachtung wegen einiger Mängel im Leistungs- und Arbeitsverhalten nur mäßig ab. Insgesamt ist ihre Leistung ausreichend.
Der Schüler 3 zeigt in allen Leistungsbereichen befriedigende  Leistungen, die sich auch in der Endnote niederschlagen.

Die „Berechnung“ der Noten ist weniger schwierig, als es zunächst scheint.

Die Beispielrechnung lässt sich leicht auf andere Schülerzahlen und andere Lernergebnisanteile verändern. Sinnvoll ist die maximale Punktzahl von 100 in allen Lernergebnisanteilen, da dann die Multiplikation mit dem Bewertungsfaktor gleich die Teilpunkte ergeben.

Wichtiger als das „Berechnen“ ist die Entscheidung über den Bewertungsanteil der unterschiedlichen Leistungsanteile, wobei anwendungs- und handlungsorientierte Anforderungen höher bewertet werden sollten als reproduktive Anteile.