Situationsbeschreibung

In der Fachschule – Sozialpädagogik -  berichten Schülerinnen zum Thema Sprachentwicklung von ihren Erfahrungen im Kindergarten während der Sozialassistentenausbildung:

1. Katrin:

Wir hatten da einen kleinen Jungen in der Gruppe, David, der war schon fünf Jahre alt. Immer wenn er etwas von mir wollte, sagte er : Tatrin, tanns du mal tommen ? und auch sonst vertauschte er einige Buchstaben.
Am Anfang fand ich das ganz niedlich und musste immer lachen. Ich habe ihn sogar einmal geneckt und gesagt : Aber klar David, ich tomme doch gern!
Da habe ich dann großen Ärger mit meiner Anleiterin bekommen, die wollte unbedingt, dass David richtig spricht. Sie hat ihn immer verbessert und gesagt :
Das heißt kannst du mal kommen, David!  Schau mich mal an, so musst du das machen – k , k, siehst du – k o m m en !
Aber das hat auch nichts geholfen. Im Gegenteil, David hat immer häufiger versucht, gar nichts mehr zu sagen, wenn die Erzieherin dabei war.
Seine Eltern meinten, „das wächst sich noch aus“ ; der Junge habe eben spät angefangen zu sprechen.
Ich bin da heute noch ganz unsicher, wie schwer so eine Störung ist und was man da als Erzieherin wirklich machen kann.“

2. Beate:

Bei uns war das auch ein Junge, Sven, der schon fünf war.  Eigentlich konnte der alles richtig aussprechen, nur manchmal hat er etwas gelispelt. Aber er hat die Sätze immer so verdreht. Wenn er nach draußen wollte, konnte er nicht richtig fragen, sondern sagte dann: „Sven jetzt draußen darf ?“.
Bei so kurzen Sätzen oder beim Spielen fiel das gar nicht so auf, wenn er z. B. nur „Mitspielen?“ fragte, aber wenn er von zu Hause erzählte wollte, dann geriet alles durcheinander, z. B. „ Wir gestern Fernsehen gucken. Indianer immer schießen und umfallen, tot. Sven auch Cowboy spielen. Karneval auch Pistole kaufen.“
Man wusste zwar immer, was er meinte, aber er hat es nicht richtig auf die Reihe bekommen.

3. Anna:

Ich hatte in der Gruppe ein sechsjähriges Mädchen, da fiel uns erst kaum auf, dass die Sprache gestört war. Sie spielte viel mit anderen Mädchen zusammen, aber tat oft das, was die anderen von ihr verlangten und beteiligte sich kaum an Gesprächen. Wenn man sie etwas fragte, antwortete sie meist mit „ja“ oder „nein“ oder „weiß nicht“. Erst nach und nach wurde uns klar, dass sie viele Begriffe gar nicht kannte und z. B. zu verschiedenen Tieren immer nur „die Tiere da“ sagte, weil sie ihre Namen nicht wusste.
Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Brot und Fleisch wurde von ihr meist nur als „das da zu essen“ bezeichnet. Ihr fehlten einfach  die Worte, sich richtig auszudrücken.